Strategien erarbeiten, Praxisanregungen geben

Im Blickpunkt: Das Frankfurter Institut für Vertragsgestaltung und Konfliktforschung

Von Alexander Foerster

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Der Erfolg einer Streitbeilegung wird maßgeblich von der Ausgestaltung der vertraglichen Regelungen zu Form und Zuständigkeit im Falle eines Streitverfahrens beeinflusst. Dieser Thematik hat sich das vor zwei Jahren gegründete Institut für Vertragsgestaltung und Konfliktlösung verschrieben. Ob im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden oder Dienstleistern – Konflikte gehören zum Unternehmensalltag. Häufig spielen Aspekte wie Kosten, Zeit und emotionale Auswirkungen für die Streitbeilegung eine entscheidende Rolle. Der Umgang mit diesen Konflikten beeinflusst maßgeblich, wie stark diese sich auswirken. So ist durchaus entscheidend, wer den Prozess der Konfliktlösung mitbestimmt und wer die Entscheidung in einem Verfahren trifft. Für die Beteiligten ist es unerlässlich, die verschiedenen Pfade zur Lösung zu kennen. Nicht immer ist ein Gang zum Gericht der schnellste oder gar kostengünstigste Weg.

LOEWE-Programme

In Hessen gibt es seit 2008 eine „LandesOffensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“, kurz LOEWE. Dabei handelt es sich um ein Forschungsförderungsprogramm, mit dem das Land Hessen wissenschaftspolitische Impulse setzen und die hessische Forschungslandschaft nachhaltig stärken will. Auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft wurde 2012 der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ ins Leben gerufen, und zwar als ein auf Zeit eingerichtetes Verbundforschungsvorhaben von Wissenschaftlern der Johann Wolfgang Goethe-Universität, des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte sowie der Frankfurt University of Applied Sciences. Ziel war die interdisziplinäre und internationale Analyse von Konflikten, Konfliktaustragung und Konfliktlösung in unterschiedlichen Epochen und in verschiedenen Kulturen. Einer der Höhepunkte war das 2013 abgehaltene Symposium zu einem Frankfurter Streitschlichtungszentrum.

Gründung des IVK

Als dieses Forschungsvorhaben 2015 beendet wurde, haben sich Professorinnen und Professoren des Fachbereichs 3 „Wirtschaft und Recht der Frankfurt University of Applied Sciences“ zusammengetan, um, anknüpfend an diese Forschungen, das Institut für Vertragsgestaltung und Konfliktlösung zu gründen. In dem an dieser Hochschule schon erprobten Konzept der besonders praxisnahen und fachübergreifenden Forschung soll mit der Gründung des Instituts an die im Verbundforschungsvorhaben „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ gewonnenen Erkenntnisse angeknüpft werden. Bereits bestehende Praxiskontakte, insbesondere zur Frankfurter Industrie- und Handelskammer, zu hessischen Unternehmen, zu den Frankfurter Gerichten und der Frankfurter Rechtsanwaltskammer sollen intensiviert und weitere Partner sollen gewonnen werden.

Leitung des IVK

Das Direktorium des Instituts unter der Leitung von Prof. Dr. Isabella Anders-Rudes besteht aus Prof. Dr. Domenik Henning Wendt (stellvertretender geschäftsführender Direktor), Prof. Dr. Jörg Kupjetz und Prof. Dr. Christian Rieck. Frau Prof. Dr. Anders-Rudes, die auch für den Masterstudiengang „Verhandeln und Gestalten von Verträgen“ verantwortlich ist, war maßgeblich an dem LOEWE-Forschungsvorhaben beteiligt. Die besonderen Interessengebiete von Prof. Dr. Wendt sind das Finanzmarktrecht (Bank-, Kapital- und Privatversicherungsrecht), das Internationale Privat- und Zivilverfahrensrecht, die Vertragsgestaltung sowie Methoden der Alternativen Streitbeilegung. Prof. Dr. Kupjetz, der auch als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main tätig ist, deckt ebenfalls das Bank- und Finanzrecht ab, allerdings mehr aus Unternehmenssicht, also insbesondere Immobilien- und Projektfinanzierung, allgemeine Unternehmens- und Akquisitionsfinanzierung sowie das Factoring. Prof. Dr. Rieck schließlich, als Wirtschaftswissenschaftler, hat sich der Spieltheorie verschrieben und soll dadurch neue Akzente in dem ansonsten von Juristen beherrschten Gebiet der Streitbeilegung setzen. Unterstützt wird das Direktorium von einem Beirat, welchem neben dem Autor auch weitere Vertreter der hessischen Rechtsanwaltschaft und Gerichte sowie Spezialisten auf dem Gebiet der alternativen Streitbeilegung angehören.

Die Forschung

Es ist Aufgabe des Instituts, Forschung und Lehre in den Gebieten Vertragsgestaltung und Konfliktlösung zu pflegen und zu fördern. Das Institut unterstützt dabei die interdisziplinäre Kooperation auf diesen Gebieten. Die neuen Herausforderungen, die durch automatisierte Anspruchsverwaltung wie etwa flightright.de oder durch Massenklagen („Dieselgate“) auf die Unternehmen zukommen, werden ein ganz neues „Claims-Management“ erforderlich machen. Technische Expertise, der Umgang mit konsumentenzentrierter IT und Projektmanagement werden für die Juristen zum Arbeitsalltag gehören. Auch hierbei möchte das IVK mit neuen Erkenntnissen unterstützen. Vertragsgestaltung und Konfliktlösung gehören dabei untrennbar zusammen. Aktuelle Forschungsthemen sind unter anderem „Alternative Streitbeilegung im Finanzsektor“ und „Auswirkungen des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes auf die Praxis“. Ferner möchte das Institut zusammen mit der IHK Frankfurt am Main versuchen, in einer empirischen Studie die Frage zu beantworten, wie Unternehmen Konflikte lösen. Gerne können auch die Leser an der Umfrage teilnehmen. Die Einzelheiten finden Sie HIER.

Mit den gewonnenen Informationen sollen dann Strategien erarbeitet werden, um Unternehmen bei außergerichtlichen Streitbeilegungen besser unterstützen zu können. Man darf auf die Forschungsergebnisse gespannt sein.

alexander.foerster@msa.se