In a Nutshell: Alles, was führende Inhouse-Litigators im Blick haben müssen

Aus der Praxis für die Praxis:
Jan Heiko Köhlbrandt, LL.M., Senior Counsel EMEA, Archer Daniels Midland Co.

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In unserer Rubrik Litigation Inhouse Top 5 stellen wir Ihnen in der DisputeResolution in loser Folge alle wichtigen und praxisrelevanten Themen vor, die bei führenden Inhouse-Litigators in Deutschland ganz oben auf der Agenda stehen. Der Anspruch dieses Online-Magazins lautet seit 2013: von Anwälten für Unternehmen. Bei der Umsetzung dieses publizistischen Anspruchs ist es für alle Beteiligten hilfreich, wenn die externen Berater tatsächlich wissen, welche Fragen den Mandanten inhouse bewegen.
Mit den Litigiation Inhouse Top 5 wollen wir weiter zu einer verbesserten Transparenz im deutschen ­Rechtsmarkt beitragen, übrigens auf der Nachfrager-
und der Anbieterseite: bei Unternehmen, Sozietäten
und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie Dienst­leistern.
Litigation Inhouse Top 5 ergänzt die in der Dispute-Resolution seit langem eingeführte praxisbezogene Berichterstattung. Und weil der Faktor Zeit Geld (wert) ist, haben wir unsere Berichterstattung hierzu in eine möglichst kompakte Form gebracht – in a Nutshell. In dieser Ausgabe der DisputeResolution lesen Sie die Top-5-Themen unseres Fachbeirats Jan Heiko Köhlbrandt.

Meine Litigation-Top-5 2019:

  • Krisenmanagement/-kommunikation: Nicht nur unser Unternehmen wandelt sich derzeit enorm (vom reinen Rohstoffverarbeiter zum Hersteller hochwertiger Lebensmittel), sondern auch die Gesellschaft als Ganze, insbesondere durch die Einflüsse von Social Media. Dies erfordert auch für Unternehmen, die nicht im Rampenlicht des Konsumenten stehen, ein verändertes Krisenmanagement, aber vor allem eine diesen Veränderungen angepasste Krisenkommunikation.
  • Legal-Tech/Blockchain: Auch wenn sich Legal-Tech
    in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen ­befindet, kann sich keiner von uns diesen Entwicklungen entziehen. Insbesondere auf die tägliche ­Arbeit der Unternehmensjuristen wird die technologische Entwicklung spürbaren Einfluss haben. Zudem stellt sich bei der Blockchain-Technologie die provokative Frage, ob ein Unternehmen zukünftig weniger den Juristen als den Programmierer benötigt oder ein Hybrid aus beiden. Es bleibt auch abzuwarten, welche Auswirkungen diese Technologien auf die Konfliktlösungsmechanismen haben werden.
  • Erhöhte öffentliche Sensibilität hinsichtlich Qualität, Sicherheit, Nachhaltigkeit und „Gesundheit“ von Lebensmitteln: Der Konsument/die Öffentlichkeit und damit die Politik und Aufsichtsbehörden werden immer sensibler im Hinblick auf die zuvor genannten Themen. Dies, gepaart mit immer genaueren Messmethoden und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Wirkung und das Zusammenspiel von Inhaltsstoffen bei Lebensmitteln, führt zu immer neuen und schwierigeren Herausforderungen für die Lebensmittelindustrie. Was gestern noch ein beliebtes Lebensmittel war, kann morgen schon als „ungesund“ gelten.
  • Bildung von Commercial Courts: Von besonderem Interesse für mich ist die derzeit beliebt gewordene Gründung von Commercial Courts in vielen Staaten, um internationale kommerzielle Streitigkeiten vor heimische staatliche Gerichte zu ziehen, quasi im Wettbewerb zum „Marktführer“ England. Hierbei würde ich mir wünschen, dass Deutschland seine zahlreichen lokalen Initiativen koordiniert, um in den Wettbewerb eintreten zu können, denn viele Staaten sind Deutschland schon weit voraus. Abzuwarten bleibt auch, welchen Einfluss der Brexit, ob er nun kommt oder nicht, auf diese Entwicklung hat.
  • Recruiting: Gerade für Unternehmen wie das ­unsrige, das weder eine bekannte Marke noch ein „hippes“ Start-up mit einer disruptiven Geschäftsidee ist, ist es schwierig, geeignete Bewerber anzu­locken, geschweige denn Referendare. Dabei ist in den Rechtsabteilungen dieser „Hidden Champions“ die Tätigkeit genauso oder sogar deutlich spannender, abwechslungsreicher und stärker international ausgerichtet. Dies zu vermitteln ist eines meiner Hauptanliegen.

janheiko.koehlbrandt@adm.com